Integrationskongress der Bundestagsfraktion am 29. Juni 2009 in Berlin
Auf dem Integrationskongress „Wege zu einer erfolgreichen Integration“ der FDP-Bundestagsfraktion am 29. Juni 2009 in Berlin hat die ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen, Cornelia Schmalz-Jacobsen, einen Klimawandel in der Integration gefordert. „Integration darf keine Floskel sein, sie muss von der deutschen Gesellschaft ausdrücklich begrüßt und gelebt werden“. Zwar sei bei der Integration viel erreicht worden. Dazu gehöre auch, dass Deutschland inzwischen als Einwanderungsland bezeichnet würde und sich inzwischen eine Staatsministerin um die Fragen der Integration und Migration kümmere. Aber viele Potentiale seien noch nicht erkannt. 

Cornelia Schmalz-Jacobsen, Sibylle Laurischk Schmalz-Jacobsen kritisierte, dass Osteuropäer noch keinen freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt haben. „Andere Länder haben von dieser Freizügigkeit durch Steuereinnahmen und den Rückgang der Schwarzarbeit profitiert, in Deutschland sind von ca.100.000 Haushaltshilfen gerade mal 2.000 in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen tätig. Das ist ein schreiender Skandal.“ Auch kritisierte Schmalz-Jacobsen das geltende Staatsbürgerrecht mit einer Pflicht zur Entscheidung für eine Staatsbürgerschaft. „Wir haben viele Doppelstaatsangehörige in Deutschland wie beispielsweise die Kinder mit Eltern unterschiedlicher Nationalitäten. Warum müssen sich die hier geborenen Kinder ausländischer Eltern zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr entscheiden?“, fragte die ehemalige Ausländerbeauftragte.
In einem Podiumsgespräch unter Leitung von Amadeus Hempel, Geschäftsführer Interkulturelle Bildung Hamburg e.V., berichteten drei junge Frauen von ihrer erfolgreichen Integration in die deutsche Gesellschaft. Dazu gehörte die Deutsch-Iranerin Dr. Parinas Parhisi. Als 18jährige war sie von ihrem Vater ohne Deutschkenntnisse für ein Medizin-Studium nach Deutschland geschickt worden. Nach dem „mühlosen“ Erlernen der deutschen Sprache hatte sie sich für Jura entschieden, hat inzwischen über Frauenrechte promoviert, lebt in Wiesbaden und ist dort FDP-Mitglied. Lidia Duve kam mit 26 als Spätaussiedlerin aus Kasachstan. Dort hatte sie als Lehrerin gearbeitet. Die Ausbildung wurde in Deutschland nicht anerkannt, so dass sie ein weiteres Studium der Sozialpädagogik absolvierte und nun seit zehn Jahren in der Integrationsarbeit für Jugendliche tätig ist. Außerdem berichtete Nare Yesilyurt-Karakurt über ihren Weg von der Hauptschule über ihr Studium der Sozialpädagogik bis hin zur Gründung ihres Pflegedienstes „deta-med“, das inzwischen über 200 Mitarbeiter beschäftigt.

Duve, Parhisi, Hempel, Yesilyurt-Karakurt
Im ersten Forum diskutierten Experten über „Sprache schafft Identität – Bildung als Schlüssel zum Integrationserfolg“. Das Fazit: Bildung ist und bleibt der Schlüssel und muss so früh wie möglich einsetzen. Ohne das Erlernen der deutschen Sprache ist keine Integration möglich. Als kritisch wurde in diesem Zusammenhang die Problematik der Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen angesehen. Sibylle Laurischk, Sprecherin für Integration und Migration der FDP-Bundestagsfraktion und Initiatorin des Integrationskongresses kritisierte, dass hier viel Fachkräftepotential vergeudet würde. Sie verwies auf einen Antrag ihrer Fraktion, dass jeder einen Anspruch auf ein Anerkennungsverfahren für Berufs- und Bildungsabschlüsse haben sollte. „Die Bundesregierung hat bislang versäumt, hierzu aktiv zu werden“, so Laurischk.
Im zweiten Forum „Kulturelle Begegnungen –Identitäten in der Medienpolitik“ wurde über Defizite der Medien bei der Berichterstattung über das Thema Integration und Migration gesprochen. Alle Diskutanten forderten ein, dass nicht nur über Migranten gesprochen werden dürfe, sondern auch mit ihnen. Das letzte Forum diskutierte über „Wirtschaft und Arbeit als Integrationsmotor“. Der Migrationsforscher Prof. Dr. Klaus Bade kritisierte, dass es in Deutschland keine Zuwanderung in der Höhe gäbe, die die Abwanderung ausgleiche. „Am Ende der Krise wird es einen Fachkräftemangel geben“. Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Rainer Brüderle, forderte, hier Weichen zu stellen, um die Abwanderung der Arbeitskräfte zu kompensieren.
In ihrem Schlusswort fasste Sibylle Laurischk die Meinung aller Teilnehmer zusammen. „Ein Klimawandel in der Integration ist von allen Diskutanten eingefordert worden. Wir müssen von einem „Nein, aber“ zu einem „Ja, aber“ bei der Integration und Migration kommen. Nun muss gehandelt werden, es gibt genug Bedarf."